August 1, 2008...12:26

Eine neue TV-Kultur?

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Ich kann nicht verstehen warum man sich im Fernsehen für Störungen entschuldigt, aber niemals für das normale Programm.

Jüngst gesehen und als Grenzwertig befunden das alltägliche Programm von MTV. Zur Erinnerung: Das „M“ in „MTV“ steht eigentlich für „Music“. Nachfolgend möchte ich mich nur stellvertretend einigen Erzeugnissen dieses Senders widmen. Schnell werdet ihr merken das alles andere was sich auf diesem Programmplatz tummelt bedenkenlos in den selben Topf geworfen werden kann.

Da wäre zum einen „Fist Of Zen„. Das Konzept: Junge mittellose Menschen stellen sich schmerzhaften Herausforderungen, die sie ohne ein Wort zu sagen zu ertragen haben. Ist das geschafft warten 100 Pfund auf den heldenhaften Selbstpeiniger. Ein Beispiel: Der Kandidat wird mit Gummibändern beschossen oder Stromschlägen ausgesetzt.

MTV Next“ ein Spiegelbild der modernen Wegwerfgesellschaft. Paarungswillige postpubertäre Mädchen und Jungs werden einem ebenso rolligen Pendant vorgesetzt. Dieser wiederrum entscheidet durch bloßes „mal eben hinsehen“ ob der/oder die eines Dates würdig ist. Falls nicht heißt es – dem Titel entsprechend – „next“. Das alles erinnert meiner Ansicht nach doch sehr an die konsequente Weiterführung diverser Casting-Shows. In Anbetracht dessen das Dieter Bohlen angekündigt hat sein eigenes TV-Konzept zu verwirklichen, ist wohl nun zu befürchten das in absehbarer Zeit Runzel-Dieter über die Schönheit naiver Blödchen entscheiden wird.

Apropos Blödchen: als eine Art Reality-Show ist wohl „Life Of Ryan“ zu verstehen. Ryan – verwöhntes Einzelkind stinkreicher Eltern – lebt das Leben eines Snobs und wird dabei von Kameras begleitet. Das war der Plot. Die Message an alle Kinder und Jugendlichen deren Eltern nicht so reich sind: Nur Geld allein macht glücklich. Das Resultat: Ein Hass auf die eigenen Eltern und Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben.

Wie wäre stattdessen eine Doku über ein hungerndes Mädchen in Äthiopien!? „Life of Almaz“ meinetwegen. Ich weiß; vermutlich nicht so quotenträchtig. Tja … da heißt es wohl weiter Realitätsverzerrung-Deluxe auf M-TV.

Zu Guter letzt: „Parental-Prostituting“ … ach ne, „Zeig mir Deine Mutti und ich sag Dir wer Du bist“ … nein, auch nicht. „Date My Mum“ heißt die Serie um die es hier geht. Hier entscheiden Mütter oder Väter darüber, wer mit vermeintlich achso tollen und hübschen Tochter ausgehen darf. Der lüsterne Jüngling also, richtet seinen Balz- und Paarungstanz nicht direkt an die Angebetete sondern an die Eltern um sie von den Qualitäten ihres potentiellen Schwiegersohns zu überzeugen. Ist der Test bestanden lassen Mami und Vati die Leinen los und geben ihre Prinzessin frei. Ganz besonders peinlich an dieser Angelegenheit: Nicht nur die anstehenden Männer biedern sich bis aufs Letzte an, nein auch die Eltern preisen ihre Tochter, ähnlich wie der Media-Markt-Verkäufer den Flachbildschirm; Echt leicht zu handhaben, echt hübsch, schön schlank und ganz besonders billig.

„Fernsehen ist ein Realitätspräservativ zur Verhinderung von Lebenszwischenfällen“ Bernd Guggenberger

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