Relikte kollektiver Angst

Angst ist eine mächtige Triebfeder menschlichen Handelns. Ängste können uns erstarren lassen, Ängste können uns lähmen, Ängste können uns zu Handlungen verführen die abstruse Ausmaße annehmen. Als die Welt zweigeteilt war, ein dritter Weltkrieg latent in der Luft lag und man von allen Seiten die Säbel rasseln hörte, setzte man der Angst ein architektonisches Denkmal.

17 Kilometer Tunnelsysteme, 12 Jahre Bauzeit und 5 Milliarden Mark Kosten. Das sind die Eckdaten der größten unterirdischen Anlage überhaupt: Der ehemalige Regierungsbunker der Bundesrepublik Deutschland.

Ein ungenutzter Eisenbahntunnel aus Kaiserszeiten diente als Grundlage für das Irsinnsprojekt – getarnt von malerischen Weinbergen, umgeben von beschaulichen Ortschaften unweit der damaligen Hauptstadt Bonn. Im Ernstfall war das Bauwerk als Unterbringung für die Regierung vorgesehen. Strategisch günstig gelegen und schnell zu erreichen, wollte man für einen Nuklearangriff gewappnet sein. Um die “oberen 3000″ unterzubringen wurde an nichts gespart; unter Tage gab es Kapellen, Friseursalons, Groß-Kantinen, Fernsehstudios für Ansprachen und sogar einen Zeitungskiosk. Präsident und Kanzler erhielten eigene Unterkünfte, das übrige Kabinett und deren Mitarbeiter mussten sich mit Schlafsälen begnügen. Keine Sonderbehandlung gab es allerdings beim Betreten der Anlage: Sollten Teile Deutschlands zum Zeitpunkt des Notfallplans bereits nuklear verseucht sein, musste sich jeder der Dekontaminierung unterziehen und den Entgiftungstrakt passieren. Nachdem man kontaminierte Kleidung verbrannte unterzog man sich einem Duschbad unter fließendem und mit Ameisen-, Zitronen- und etwas Salzsäure angereichertem Wasser.

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- “Halte hier alles rein, und jeder kann zufrieden sein” –

Beschriftung an einer der Bunkerwände

Vor dem Hintergrund des finanziellen Aufwandes, der Geheimhaltung und der Bauzeit des Megaprojekts ist es fast schon tragisch das der Bunker einem tatsächlichen Nuklearschlag niemals standgehalten hätte. Schon zu Baubeginn stellte man fest das das Konstrukt jeder Detonation die über der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe lag nichts entgegenzusetzen hätte. Natürlich wurde trotzdem weitergebaut. Wie hätte man sonst die bis dahin entstandenen Kosten rechtfertigen können?

Im Jahr 2001 begann man den Bunker zurück zu bauen. Erst ab diesem Zeitpunkt schienen 22 Millionen Euro jährliche Betriebskosten nicht länger vertretbar zu sein. Lediglich 200 Meter Museumsfläche stehen dem interessierten Publikum nach wie vor zur Verfügung: quasi als letzter betongewordener Zeitzeuge kollektiver Angst …

weiter Informationen zu diesem Thema unter: www.regbu.de

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